Pfingstlehrgang mit Th. Schoo und P. Durchon

Von Philipp Eckerter, Baden-Baden

Zum gemeinsamen Lehrgang von Thorsten Schoo Sensei und Pascal Durchon Sensei mit dem Thema „über die Entstehung der Technik beim Üben“ versammelten sich wissbegierige Aikidoka vom 10. bis 13. Juni im Frankfurt SEISHINKAI in Alt-Bornheim. Hier gehe ich der Frage nach, wie die beiden Lehrer mit der Vermittlung des Themas und der Situation, dies in ihrer eigenen Weise zu tun, umgegangen sind.

Der Lehrgang war aufgebaut in abwechselnde Trainingseinheiten, die unterschiedliche Themen behandelten. Schoo Sensei fokussierte sich dabei neben dem Aikido und einer Einheit Grundlagen auf die Vermittlung vom Kampf mit dem Jo, Durchon Sensei auf den Kampf mit zwei Schwertern.

Die unterschiedliche Themenwahl der Unterrichtseinheiten durch Stock und Schwert spiegelte sich auch in den unterschiedlichen Lehrmethoden und in den unterschiedlichen Zugängen, die uns beide Lehrer zum Thema des Lehrgangs eröffneten, wieder.

Die Stockarbeit von Thorsten Schoo Sensei ist geprägt von fließenden, dynamischen Bewegungen. Ist der Stock einmal in einer Drehbewegung („unendliche Acht“), ergeben sich weitere Bewegungen oftmals, je nach Dynamik die der Jo angenommen hat, aus der Situation heraus. So entwickelt man aus Offenheit und einer flexiblen Grundhaltung heraus nach und nach selbst ein Gespür, wie man von der natürlichen Dynamik des Stockes lernen kann, seine eigenen Bewegungen aus derselben Dynamik und Natürlichkeit fließen zu lassen. Durch diesen Zugang gab Schoo Sensei in seinen Einheiten jedem von uns wertvolles Wissen an die Hand, intuitiv seinen eigenen Körper und dessen Bewegungen zu erschließen und vermittelte uns einen Weg, dieses Wissen zu einem Bestandteil unserer Techniken zu machen, was wir selbst an mehreren Anwendungen erfahren konnten.

Die Zwei-Schwert-Arbeit und die Schwertarbeit speziell hingegen ist getragen von schneidenden Bewegungen und einer klaren Struktur. Schnittbewegungen mit der Klinge sind dazu da, zielgerichtet und mit Entschlossenheit auf den Punkt gebracht zu werden. Im Idealfall ist hierbei ein Kampf nach einer einzigen Aktion entschieden. Mehr als auf das Gespür kommt es hier auf die Schulung der Absicht und der Aufmerksamkeit an. Schon bevor man einen Schnitt ausführt, muss sich über seine Handlungen im Klaren über seine Handlung und fokussiert sein, bevor man einen Schnitt ausführt. Irimi erfolgt nicht nur mit der Klinge und dem Körper, sondern vielmehr schickt man ihm seinen Geist mit derselben Absicht voraus, um auch im Geist des anderen etwas „zum Klingen zu bringen“. Dies alles zeigte sich in einer stabileren Grundstruktur der Bewegungen. So gab es auch bei Pascal Durchon Sensei weiter ab von den fließenden Bewegungen Schoo Senseis viele direktere Eingänge in Techniken und auch Mittel, die eigene körperlich starke Struktur beibehalten zu können, indem man kurzzeitig seinen hohen Standpunkt aufgibt und aktiv in ukemi gleitet.

Man sieht klar und deutlich, wie sich durch die gemeinsame Arbeit der beiden Lehrer auch die Arbeit von Stock und Schwert gegenseitig ergänzen. Beide unterschiedliche Prinzipien lassen sich dank der Vermittlung beider Lehrer in ihrer eigenen Dynamik und Klarheit nebeneinander stellen, und zwar als gleichwertig und gleichberechtigt. Es wird offenbar, wie die weiche Arbeit des Stockes die Arbeit mit dem Schwert verbessert und die klare Arbeit mit dem Schwert eine wichtige Ergänzung zur Stockarbeit ist.

Sobald man ein Gespür für diese natürliche Bewegung des Stockes bekommt, entscheidet man sich beispielsweise jederzeit, wie man die Drehung weiterführt, und wie man sich um diese Drehung herum bewegt. Auch hierbei ist klare Absicht und Entschiedenheit, das heißt „Schwertqualität“ gefordert.

Entwickelt man die fließenden Bewegungen mit dem Schwert, bleibt man flexibel und kann auch nach einem klaren Schnitt, der ins Leere ging, angemessen auf den weiteren Verlauf des Kampfes reagieren – frei sein von sich, seiner ursprünglichen Absicht und damit frei sein von einer Blockade im Körper und Geist, die den lebendigen und natürlichen Umgang mit der Situation verhindert.

So hebt die Arbeit und die Integration mit dem Gegensatz einer Sache die eigentliche Sache auf eine vollkommen neue Ebene, die neue und wertvolle Entwicklung zulässt.

Man spürt deutlich, wie beide Lehrer mit dem Herzen und mit ihrem Geist voll bei dem sind, was sie unterrichten. Sie haben die Fähigkeit, das ureigene Potenzial eines jeden Schülers anzusprechen und tief im Inneren von ihm etwas zum Klingen zu bringen – und sie machen von ihr Gebrauch.

Dies und die Verbindung der oben erwähnten Elemente macht die Arbeit beider Lehrer für alle Beteiligten so wertvoll und es bleibt nur zu hoffen, dass den vorausgegangenen gemeinsamen Lehrgängen und Projekten noch viele weitere folgen.