Ken-Jutsu mit Thorsten Schoo

Neben all den wichtigen Aspekten des Kenjutsu, die Thorsten für uns auf dem Schwertlehrgang im Hombu letzten Samstag wieder aufgegriffen und trainierbar gemacht hat, war für mich persönlich "Aus der Schwäche eine Stärke machen" besonders wichtig. 
 
Es ist eine Wiederbegegnung mit einem Thema, das ich schon fast vergessen hatte. Meine Motivation, mit dem Aikido zu beginnen, war nämlich damals der Wunsch, aus meiner Schwäche Stärke zu machen. In einem fortgeschritteneren Stadium meines Übens werde ich jetzt wieder an dieses Anfangsthema erinnert. 

Ich wünsche mir heute, das Thema bewusster in den Alltag zu nehmen und zu erkennen, welche Stärken in meinen vermeintlichen Schwächen verborgen sind. Das ist mir im Zusammenhang mit Kyo Dachi Kote Giri besonders deutlich geworden. Schwäche ist nichts Absolutes, sie ist relativ zur Situation. Wenn sich der Blick und die Wahrnehmung weiten, relativiert sich auch die zugegeben große Gefahr durch einen starken Gegner. Also gelassen bleiben und die Mitte halten!

Ich war von Thorsten beim Shitachi darauf vorbereitet worden, sein Uchitachi im Ansatz zu ersticken, wenn er auch nur den geringsten Fehler bei seinem zweiten Angriff machen würde (Angriff zum Arm/Handgelenk nach Kiri musubi). Ich hatte meinen Atem beruhigt und vertieft, die Schultern entspannt, das Hara gefüllt usw. -  und sollte nur auf Thorstens Unsauberkeiten achten und seinen Angriff im Ansatz unterbinden. Selbstverständlich würden auch sehr gute Angriffe dazwischen sein! Also im richtigen Moment die Füße so verlagern, die Hüfte so bewegen, dass sein Schwert ins Leere schneiden würde ... 

Es war noch immer das vollkommene Glücksspiel für mich. Mein Blick ist noch nicht genügend geschult, mein Geist noch nicht gelassen genug, um das sehen zu können, geschweige denn den Körper rechtzeitig folgen zu lassen. Die Unsicherheit darüber hat mich immer wieder ins Wackeln kommen lassen, was das Timing verdirbt, und dem erfahreneren Gegenüber den sofortigen "Sieg" bringt. 

In diesem "Misserfolg" ist mir aber klar geworden, wie sehr es vom eigenen Blick auf die Bedingungen abhängt, was man aus der Situation macht. Manchmal ist es mir eben gelungen, die Aufmerksamkeit groß zu halten und gleichzeitig zentriert zu bleiben. Dann konnte ich das Feuer im Ansatz ersticken!

Schwäche und Stärke liegen wirklich nah beieinander. Es braucht oft keine große Arbeit, sondern nur eine Verschiebung der Aufmerksamkeit, um das zu realisieren. Mein Training wird mich dorthin führen.

Mirjam Fischer, 4. Dan