6 Richtungen - Gemeinschaftsseminar mit Thorsten Schoo und Philippe Orban



Philippe Orban und Thorsten Schoo in  Leipzig  6. -8. März 2015

Drei Achsenpaare - rechts-links, vorne-hinten, oben-unten. Mit den vier horizontalen dieser Richtungen sind wir sehr vertraut. Als die vier Himmelsrichtungen dienen sie uns bei der Orientierung in der Welt, tatsächlich und symbolisch. Auf ihrer Ebene orientieren und bewegen wir uns im Alltag. Die Vertikale, oben-unten, beachten wir im Rausch des Alltags gemeinhin wenig.
Ohne sie ist die Welt jedoch unvollständig, nur zweidimensional, sind wir der Entfaltung unseres wahren Potentials schon beraubt. Himmel-Erde, der aufrechte Gang, Souveränität, Gelassenheit. Diese Aspekte sind mit der Vertikalen verbunden. Tenchijin.

Der Lehrgang ist erfüllt von dieser Thematik. Die Verlagerung des Körpergewichts wird reduziert auf die Vertikale, die als einzige in ihrer reinen Form der Wirkmächtigkeit der Schwerkraft folgt ohne ihr unterworfen zu sein. Nur in der Vertikalen muss keine Haltearbeit geleistet werden, kommen Muskulatur und Wille nicht mit der Wirkung der von außen einwirkenden Kräfte in Konflikt. Die Arbeit aus der Wirbelsäule ist der Schlüssel. Gestützt von einem gefüllten Zentrum, gestärkt durch Atemkraft und mit befreiten Gliedmaßen, - in der Reduzierung der Muskelkraft bis in die Leere, ist da nichts mehr, das in den Weg kommt, Widerstand aufbaut...

Wir arbeiten so pur wie möglich an den Prinzipien. Die technischen Details in der Ausführung von Würfen und Haltetechniken treten zugunsten der ganzheitlichen, integren Ausführung in den Hintergrund.

Es ist aus meiner Sicht ein sehr schöner Lehrgang. Die Themen und Anleitungen unserer zwei Senseis fließen mühelos zusammen und entwickeln sich in der Verbindung zu einem reichhaltigen, stimmigen Übungsangebot.

Auch die Begegnung mit den Leuten, die sich zu diesem Lehrgang zusammen gefunden haben, ist von sehr hoher Qualität. Sowohl auf, wie auch neben der Matte herrscht eine Stimmung der Aufgeschlossenheit und der Lebendigkeit vor. Der Austausch ist ernsthaft und vertrauensvoll. Das Training gestaltet sich als ein gemeinsames Erkunden. Je nach Erfahrungsspielraum erlauben sich die Partner, ihre Fähigkeiten gegenseitig im respektvollen Umgang miteinander auszutesten. So tritt dem ernsthaften Studium auch die notwendige Lebendigkeit hinzu, die diesen Lehrgang zu einem durch und durch wertvollen Ereignis werden lässt, an das ich mich immer wieder gerne erinnern werde und von dem ich hoffe, dass er nur der gelungene Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen dem Fudoshin-Dojo und dem Seishinkai werden wird.

Mirjam Fischer, Frankfurt